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Was ist Raqs
Sharqi?
Raqs Sharqi ist ein arabischer
Begriff und bedeutet Tanz des Ostens. Er bezieht sich
auf eine Tanzform, die ihren Ursprung in Ägypten hat und bezeichnet
den dortigen Solotanz der Frauen.
In Ägypten hatte der Tanz seit jeher einen hohen Stellenwert bei
allen festlichen Gelegenheiten.
Fremde und Reisende waren seit Jahrhunderten von diesem Tanz fasziniert
und berichteten in ihren Büchern darüber. Seit der Kolonisation
Ägyptens und mit zunehmendem technischen Fortschritt und kulturellem
Austausch verbreitete sich der Tanz auch im Ausland.
Heute ist er in Europa, Australien und den USA ebenso zu finden wie in
Ägypten. Manche Vertreter halten sich dabei eng an die ägyptische
Tradition, andere haben Einflüsse aus anderen Tanzstilen und Musikrichtungen
mit verarbeitet.
Es gibt inzwischen eine kontroverse Auseinandersetzung darüber, was
der echte ägyptische Tanz sei und verschiedene
Schulen und Stile haben sich herausgebildet.
Wir
haben unsere Grundausbildung und unser Verständnis des Tanzes von Lehrerinnen
der ehemaligen Hilal-Schule bezogen, die auf der Arbeit und Forschung der
ägyptischen Tänzerin Suraya Hilal basierte und die in jahrzehntelanger
Arbeit ein ganzheitliches Bewegungskonzept entwickelte, das das Wesen
dieses Tanzes zum Ausdruck bringt. Wir verstehen diesen Tanz als eine künstlerische
Ausdrucksform für die Bühne.
Raqs Sharqi ist erdig, zentriert, fließend und abstrakt in
dem Sinne, dass seine Bewegungen und Gesten keine festgelegte Bedeutung
haben, wohl aber an den Symbolgehalt alter, archetypischer, universell gültiger
Formen und Figuren anknüpfen, um in individueller Weise Stimmungen,
Gefühlsnuancen und das Empfinden der Musik zum Ausdruck zu bringen.
Raqs Sharqi blickt auf eine lange Geschichte und Tradition zurück.
Bedingt durch die im Orient übliche Tradition der mündlichen Überlieferung
lässt sich seine Entstehungsgeschichte allerdings kaum dokumentieren.
Der
Tanz ist aus dem Volk heraus entstanden, wurde in den Familien weitergegeben
und von einigen Stämmen wie den ägyptischen Zigeunern besonders gepflegt. An den Höfen der
gesellschaftlichen Eliten erfuhr er eine Weiterentwicklung und Verfeinerung.
Um die Jahrhundertwende, mit dem Verständigungsprozess Ägyptens,
gehörte er zum pulsierenden Leben in den Cafes. In den 40er und 50er
Jahren, der ägyptischen- arabischen Klassik, erlebte er, in Verbindung
mit der Musik der legendären Sängerin Oum Kalthoum, eine neue
Blüte und wurde durch den ägyptischen Film noch populärer.
Eine wechselvolle Geschichte und unterschiedliche kulturelle Einflüsse
haben Raqs Sharqi in dem breiten Spektrum hervorgebracht, in dem
er heute existiert. Man kann grob drei Stilrichtungen unterscheiden:
den ländlichen Shaábi, den im Zuge der Verstädterung
entstandenen Baladi und die verfeinerte Form des klassischen Sharqi.
Die Vielfalt von Raqs Sharqi und sein dramatisches Ausdruckspotenzial
sind im Westen kaum bekannt.
Heute jedoch entwickelt sich dieser alte Tanz durch die Arbeit engagierter
Tänzerinnen und durch die Unterstützung eines interessierten Publikums
zu einer anspruchsvollen Bühnenkunst.
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