Sharqi

Während Baladi ursprünglich die Kunst des einfachen Volkes war, geht Sharqi auf die Musik und den Tanz zurück, der an den Höfen und in den reichen Häusern Ägyptens gepflegt wurde.
Es gab die „Awalim", in Musik, Tanz, Dichtung und Gesang ausgebildete Frauen, die am Hofe mit einem kleinen Musikensemble auftraten und eine verfeinerte Kunstform darboten. Diese Tradition wurde später in den Häusern der gesellschaftlichen Elite fortgesetzt.

Mit der Modernisierung Ägyptens verändert sich auch die Sharqi-Musik. Westliche Einflüsse, die Einführung neuer Instrumente und die Erweiterung des traditionellen Orchesters führen zu einer „neuen“ Musik und zu einer raumgreifenderen und bühnenwirksameren Art zu tanzen. Berühmten Komponisten und Künstlern wie Farid el Atrache und Mohammed Abdel Wahab gelingt es, die Musik zu modernisieren, ohne ihr den ägyptischen Charakter zu nehmen.

Dann wird der Tanz vom Film entdeckt und kommerzialisiert, Hollywood setzt neue Maßstäbe. Der Tanz wird zu einem exotischen Spektakel und verliert sich in Klischees. Trotzdem haben einige der Filmstars der 40er und 50er Jahre etwas von der ursprünglichen Kraft dieses Tanzes bewahrt.

Engagierte Tänzerinnen versuchen heute, die Essenz dieses alten Tanzes, sein subtiles Spiel mit Formen und Figuren, seinen tiefen emotionalen Ausdruck wiederzubeleben und als Kunstform weiterzuentwickeln.